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Ökosystemisches Modell der inklusiven Bildung

Erfahren Sie mehr über das Ökosystemische Modell der inklusiven Bildung und die Bedeutung der einzelnen Stufen.  

Ausgehend von der Erkenntnis, dass das Lernen von Schüler:innen nicht nur von den Eigenschaften der Lernenden, sondern auch und vor allem von den Eigenschaften ihrer Umgebung sowie den Beziehungen und Interaktionen zwischen ihnen beeinflusst wird, entwickelte Urie Bronfenbrenner (1976) einen Rahmen, der als Ökologische Systemtheorie oder Ökologisches Systemmodell bekannt ist. Dieser Rahmen stellt eine wertvolle Ressource dar, um einen ganzheitlichen Überblick über die komplexen Netzwerke innerhalb der Umgebung zu gewinnen, die jede:n Lernende:n beeinflussen (Anderson et al., 2014). 

Das Ökosystemische Modell der inklusiven Bildung basiert im Wesentlichen auf Bronfenbrenners ökologischer Systemtheorie und betrachtet inklusive Bildung als eine Interaktion zwischen mehreren Einflussfaktoren auf verschiedenen Ebenen. Es betont, dass Inklusion ein systemischer Prozess ist, der über den einzelnen Schüler:innen (individuelle Ebene) hinausgeht und die gesamte Schule sowie ihr Umfeld betrifft. Dementsprechend wird Inklusion nicht nur auf schulischer Ebene gestaltet, sondern auch durch soziale, kulturelle und politische Rahmenbedingungen beeinflusst. Somit unterstreicht dieses Modell, dass die inklusive Bildung durch die Interaktion dieser Ebenen geprägt ist und dass systemische Veränderungen notwendig sind, um eine echte Inklusion zu erreichen (EASNIE, 2019). 

Zu den wichtigsten Ebenen des Modells gehören (EASNIE, 2019, S. 52-54): 

  1. Individuelle Ebene

    Die Individuelle Ebene bezieht sich auf Unterrichtspraktiken, die sich direkt auf die Entwicklung und das Ergebnis der Lernenden auswirken: 

    • Anpassen des Lehrplans und der Bewertung für authentisches Lernen: Ändern Sie Lehrmaterialien und Bewertungsmethoden, um sicherzustellen, dass sie reale Anwendungen und sinnvolle Lernerfahrungen widerspiegeln.

    • Entwicklung einer inklusiven Pädagogik: Entwickeln Sie Unterrichtsstrategien, die die Fähigkeiten aller Lernenden unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse fördern und sicherstellen, dass alle Lernenden die Möglichkeit zu sozialen Interaktionen mit Gleichaltrigen haben.

    • Machen Sie Lernen zu einem personalisierten Prozess: Binden Sie Schüler:innen in maßgeschneiderte Lernerfahrungen ein, die auf ihre individuellen Interessen und Bedürfnisse eingehen.

    • Bieten Sie mehrere Möglichkeiten, Informationen zu erhalten, zu verarbeiten und darauf zu reagieren: Bieten Sie den Schüler:innen verschiedene Methoden an, um auf das Gelernte zuzugreifen, es zu verstehen und auszudrücken.

    • Hören Sie auf die Stimmen der Lernenden in Angelegenheiten, die sie betreffen: Berücksichtigen Sie die Meinungen und Rückmeldungen der Lernenden und beziehen Sie sie in ihren Bildungsweg ein.

    • Schaffen Sie Plattformen für demokratische Diskussionen: Schaffen Sie Räume, in denen Schüler:innen an offenen und respektvollen Dialogen über ihr Lernen und ihr schulisches Umfeld teilnehmen können.

  2. Schulebene

    Die Schulebene konzentriert sich auf die Traditionen, die Kultur, das Ethos, die Werte, die Ideologie, die Strukturen der Autorität und der Zusammenarbeit innerhalb der Schule: 

    • Aufbau professioneller Lerngemeinschaften  

    • Einbindung der Eltern und der örtlichen Gemeinschaft  

    • Eine einladende, unterstützende Schulkultur mit vertrauensvollen Beziehungen zwischen allen Beteiligten aufrechterhalten.

    • Ressourcen bereitstellen, die eine kontinuierliche Unterstützung für alle Lernenden und Lehrenden bieten

    • Erkennen Sie die Bedeutung der Kontextanalyse und die Notwendigkeit, sich selbst zu überprüfen und qualitative und quantitative Daten zu nutzen (einschließlich Informationen und Rückmeldungen von allen wichtigen Interessengruppen für die kontinuierliche Verbesserung).

  3. Gemeinschaftsebene

    Die Gemeinschaftsebene stellt den Gemeinschaftskontext dar: 

    • Beziehungen zu anderen Personen außerhalb der Schule aufbauen - z. B. zu Familien, Arbeitgeber:innen, Hilfsorganisationen, anderen Schulen, Hochschulen und Universitäten in der Gemeinde 

    • Gemeinsam (z. B. mit dem Gesundheits- und dem Sozialsektor) für eine effiziente Nutzung der Ressourcen und einen kohärenteren Ansatz sorgen

    • Menschliche und finanzielle Ressourcen innerhalb und außerhalb der Schule nutzen

  4. Nationale/Regionale Ebene
    • Gesetzgebung, die einen menschenrechtsbasierten Ansatz verfolgt und eine Politik vorantreibt

    • Zugang zu einer örtlichen Schule für alle Lernenden,  

    • Lehrpersonenausbildung für inklusive Bildung und Vielfalt, 

    • Regierung und Finanzierung, die Inklusion und Gleichberechtigung unterstützen,

    • Lehrplan und Bewertungsrahmen mit Flexibilität und Qualität 

    • Sicherheits- und Rechenschaftssysteme, die eine inklusive Praxis unterstützen 

Das ökosystemische Modell der inklusiven Bildung bietet somit einen ganzheitlichen Rahmen für das Verständnis, wie verschiedene miteinander verknüpfte Systeme die inklusiven Praktiken in der Schule beeinflussen. Eine wesentliche Stärke des Modells ist seine Fähigkeit, sowohl Barrieren als auch Ressourcen zu identifizieren, die die Teilnahme und das Lernen von Schüler:innen beeinträchtigen - nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch innerhalb von Schulen, Familien, Gemeinschaften und breiteren gesellschaftlichen Strukturen. Dieser Identifizierungsprozess ist für die Entwicklung einer inklusiven Schule von wesentlicher Bedeutung, da er den Schulen hilft, gezielte Strategien zur Schaffung eines inklusiveren Umfelds umzusetzen. Darüber hinaus unterstreicht das Modell die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten - einschließlich Lehrpersonen, Familien, Schüler:innen, Fachkräften und politischen Entscheidungsträger:innen - in der Erkenntnis, dass erfolgreiche Inklusion von gemeinsamen systemischen Bemühungen auf allen Ebenen abhängt.

Referenz: EASNIE, 2019, S. 52

  1. Sehen Sie sich das folgende Video an, um mehr über Theorien und Modelle der inklusiven Bildung zu erfahren.

Referenzen

Anderson, J., Boyle, C., & Deppeler, J. (2014). The Ecology of Inclusive Education. In H. Zhang, P. Chan, & C. Boyle (Eds.), Equality in Education. SensePublishers. https://doi.org/10.1007/978-94-6209-692-9_3  

EASNIE. (2019). Inclusive School Leadership: Exploring Policies Across Europe. https://www.european-agency.org/resources/publications/inclusive-school-leadership-synthesis     

Ausgehend von der Erkenntnis, dass das Lernen von Schüler:innen nicht nur von den Eigenschaften der Lernenden, sondern auch und vor allem von den Eigenschaften ihrer Umgebung sowie den Beziehungen und Interaktionen zwischen ihnen beeinflusst wird, entwickelte Urie Bronfenbrenner (1976) einen Rahmen, der als Ökologische Systemtheorie oder Ökologisches Systemmodell bekannt ist. Dieser Rahmen stellt eine wertvolle Ressource dar, um einen ganzheitlichen Überblick über die komplexen Netzwerke innerhalb der Umgebung zu gewinnen, die jede:n Lernende:n beeinflussen (Anderson et al., 2014). 

Das Ökosystemische Modell der inklusiven Bildung basiert im Wesentlichen auf Bronfenbrenners ökologischer Systemtheorie und betrachtet inklusive Bildung als eine Interaktion zwischen mehreren Einflussfaktoren auf verschiedenen Ebenen. Es betont, dass Inklusion ein systemischer Prozess ist, der über den einzelnen Schüler:innen (individuelle Ebene) hinausgeht und die gesamte Schule sowie ihr Umfeld betrifft. Dementsprechend wird Inklusion nicht nur auf schulischer Ebene gestaltet, sondern auch durch soziale, kulturelle und politische Rahmenbedingungen beeinflusst. Somit unterstreicht dieses Modell, dass die inklusive Bildung durch die Interaktion dieser Ebenen geprägt ist und dass systemische Veränderungen notwendig sind, um eine echte Inklusion zu erreichen (EASNIE, 2019). 

Zu den wichtigsten Ebenen des Modells gehören (EASNIE, 2019, S. 52-54): 

  1. Individuelle Ebene

    Die Individuelle Ebene bezieht sich auf Unterrichtspraktiken, die sich direkt auf die Entwicklung und das Ergebnis der Lernenden auswirken: 

    • Anpassen des Lehrplans und der Bewertung für authentisches Lernen: Ändern Sie Lehrmaterialien und Bewertungsmethoden, um sicherzustellen, dass sie reale Anwendungen und sinnvolle Lernerfahrungen widerspiegeln.

    • Entwicklung einer inklusiven Pädagogik: Entwickeln Sie Unterrichtsstrategien, die die Fähigkeiten aller Lernenden unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse fördern und sicherstellen, dass alle Lernenden die Möglichkeit zu sozialen Interaktionen mit Gleichaltrigen haben.

    • Machen Sie Lernen zu einem personalisierten Prozess: Binden Sie Schüler:innen in maßgeschneiderte Lernerfahrungen ein, die auf ihre individuellen Interessen und Bedürfnisse eingehen.

    • Bieten Sie mehrere Möglichkeiten, Informationen zu erhalten, zu verarbeiten und darauf zu reagieren: Bieten Sie den Schüler:innen verschiedene Methoden an, um auf das Gelernte zuzugreifen, es zu verstehen und auszudrücken.

    • Hören Sie auf die Stimmen der Lernenden in Angelegenheiten, die sie betreffen: Berücksichtigen Sie die Meinungen und Rückmeldungen der Lernenden und beziehen Sie sie in ihren Bildungsweg ein.

    • Schaffen Sie Plattformen für demokratische Diskussionen: Schaffen Sie Räume, in denen Schüler:innen an offenen und respektvollen Dialogen über ihr Lernen und ihr schulisches Umfeld teilnehmen können.

  2. Schulebene

    Die Schulebene konzentriert sich auf die Traditionen, die Kultur, das Ethos, die Werte, die Ideologie, die Strukturen der Autorität und der Zusammenarbeit innerhalb der Schule: 

    • Aufbau professioneller Lerngemeinschaften  

    • Einbindung der Eltern und der örtlichen Gemeinschaft  

    • Eine einladende, unterstützende Schulkultur mit vertrauensvollen Beziehungen zwischen allen Beteiligten aufrechterhalten.

    • Ressourcen bereitstellen, die eine kontinuierliche Unterstützung für alle Lernenden und Lehrenden bieten

    • Erkennen Sie die Bedeutung der Kontextanalyse und die Notwendigkeit, sich selbst zu überprüfen und qualitative und quantitative Daten zu nutzen (einschließlich Informationen und Rückmeldungen von allen wichtigen Interessengruppen für die kontinuierliche Verbesserung).

  3. Gemeinschaftsebene

    Die Gemeinschaftsebene stellt den Gemeinschaftskontext dar: 

    • Beziehungen zu anderen Personen außerhalb der Schule aufbauen - z. B. zu Familien, Arbeitgeber:innen, Hilfsorganisationen, anderen Schulen, Hochschulen und Universitäten in der Gemeinde 

    • Gemeinsam (z. B. mit dem Gesundheits- und dem Sozialsektor) für eine effiziente Nutzung der Ressourcen und einen kohärenteren Ansatz sorgen

    • Menschliche und finanzielle Ressourcen innerhalb und außerhalb der Schule nutzen

  4. Nationale/Regionale Ebene
    • Gesetzgebung, die einen menschenrechtsbasierten Ansatz verfolgt und eine Politik vorantreibt

    • Zugang zu einer örtlichen Schule für alle Lernenden,  

    • Lehrpersonenausbildung für inklusive Bildung und Vielfalt, 

    • Regierung und Finanzierung, die Inklusion und Gleichberechtigung unterstützen,

    • Lehrplan und Bewertungsrahmen mit Flexibilität und Qualität 

    • Sicherheits- und Rechenschaftssysteme, die eine inklusive Praxis unterstützen 

Das ökosystemische Modell der inklusiven Bildung bietet somit einen ganzheitlichen Rahmen für das Verständnis, wie verschiedene miteinander verknüpfte Systeme die inklusiven Praktiken in der Schule beeinflussen. Eine wesentliche Stärke des Modells ist seine Fähigkeit, sowohl Barrieren als auch Ressourcen zu identifizieren, die die Teilnahme und das Lernen von Schüler:innen beeinträchtigen - nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch innerhalb von Schulen, Familien, Gemeinschaften und breiteren gesellschaftlichen Strukturen. Dieser Identifizierungsprozess ist für die Entwicklung einer inklusiven Schule von wesentlicher Bedeutung, da er den Schulen hilft, gezielte Strategien zur Schaffung eines inklusiveren Umfelds umzusetzen. Darüber hinaus unterstreicht das Modell die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten - einschließlich Lehrpersonen, Familien, Schüler:innen, Fachkräften und politischen Entscheidungsträger:innen - in der Erkenntnis, dass erfolgreiche Inklusion von gemeinsamen systemischen Bemühungen auf allen Ebenen abhängt.

Referenz: EASNIE, 2019, S. 52

  1. Sehen Sie sich das folgende Video an, um mehr über Theorien und Modelle der inklusiven Bildung zu erfahren.

Referenzen

Anderson, J., Boyle, C., & Deppeler, J. (2014). The Ecology of Inclusive Education. In H. Zhang, P. Chan, & C. Boyle (Eds.), Equality in Education. SensePublishers. https://doi.org/10.1007/978-94-6209-692-9_3  

EASNIE. (2019). Inclusive School Leadership: Exploring Policies Across Europe. https://www.european-agency.org/resources/publications/inclusive-school-leadership-synthesis