Inklusive Bildung ist Teil der globalen Agenda geworden, verbunden mit der Notwendigkeit, Bildungssysteme auf der ganzen Welt umzugestalten, um allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen und gleichberechtigte Teilhabe zu bieten. Aufgrund des breiten Spektrums an Erkenntnissen zur inklusiven Bildung innerhalb der wissenschaftlichen und professionellen Gemeinschaft gibt es keinen vollständigen Konsens über eine eindeutige Definition. Das Verständnis von inklusiver Bildung variiert in Abhängigkeit von kontextuellen, kulturellen, historischen und methodischen Aspekten (Florian, 2017). Für die Zwecke des Projekts I CO-COPE wurden drei Dimensionen identifiziert, anhand derer das Konzept der inklusiven Bildung definiert werden kann (Silveira-Maia, M. et al., 2025).
Dimension Ethische Grundlagen und Werteorientierung
Inklusive Bildung wird als ein Menschenrecht und moralisches Gebot angesehen, das eng mit Demokratie, Partizipation und Gerechtigkeit verbunden ist (Silveira-Maia & Santos, 2020). Es zielt darauf ab, soziale Gerechtigkeit zu fördern, indem eine gerechte und gleiche Gesellschaft geschaffen wird, die Vielfalt wertschätzt und gleiche Chancen für alle bietet, unabhängig von Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Religion (Bhugra, 2016, S. 336; Haug, 2017).
Dimension rechtliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen
In den Ländern, die das UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2006) ratifiziert haben, gibt es unterschiedliche nationale Strategien zur Umsetzung der inklusiven Bildung. Allerdings beinhaltet inklusive Bildung im Allgemeinen die Bereitstellung der folgenden Schlüsselprinzipien (Artikel 24 UN-CRPD):
Zugang zu Bildung für alle bedeutet die Schaffung einer gemeinsamen Lernumgebung für alle Schüler:innen in ihrer lokalen Gemeinschaft
Qualitätsvolle Bildung bedeutet diversifizierte Strategien und Unterstützung, um alle Schüler:innen einzubinden.
Diese Grundsätze spiegeln sich in der Definition der European Agency for Special Needs and Inclusive Education's (2015) wider, die besagt, dass "inclusive education systems aim to ensure all learners [...] provided with meaningful, high-quality educational opportunities in their local community, alongside their friends and peers" (Europäische Agentur, 2015, S.1).
Dimension praktische Umsetzung und empirische Befunde
In der Praxis bedeutet inklusive Bildung, dass Barrieren für alle Lernenden identifiziert und abgebaut werden, "so that they have access to, are present and participate in and achieve optimal academic and social outcomes from school" (Slee, 2018, S.2).
Einerseits bedeutet dies, dass inklusive Bildung eine prozessorientierte Perspektive widerspiegelt, die sie als eine nie endende Suche nach besseren Möglichkeiten, auf Vielfalt zu reagieren, betrachtet (Ainscow, 2020). Andererseits spiegelt inklusive Bildung eine schüler:innenorientierte Perspektive wider, die von der Anwesenheit der Lernenden in der Schule über die Platzierung von Schüler:innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf im selben Klassenzimmer, die gleichberechtigte Teilnahme an schulischen Aktivitäten bis hin zum akademischen und sozialen Fortschritt reicht.
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Sehen Sie sich das folgende Video an, um mehr darüber zu erfahren, wie inklusive Bildung im Klassenzimmer umgesetzt werden kann (Dimension praktische Umsetzung), und um die wichtigsten Merkmale für ihre erfolgreiche Anwendung zu erkunden.
Referenzen
Ainscow, M. (2020). Inclusion and equity in education: Making sense of global challenges. Prospects, 49, 123-134. https://doi.org/10.1007/s11125-020-09506-w
Ainscow, M., Booth, T., & Dyson, A. (2006). Improving schools, developing inclusion. Routledge.
Bhugra, D. (2016). Social discrimination and social justice. International Review of Psychiatry, 28(4), 336–341. https://doi.org/10.1080/09540261.2016.1210359
Education Monitoring Report, Inclusion and education. UNESCO. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265773
European Agency for Special Needs and Inclusive Education. (2015). Agency position on inclusive education systems. EASNIE. https://www.european-agency.org/resources/publications/agency-position-inclusive-education-systems-first-edition
European Commission: European Education and Culture Executive Agency, Promoting diversity and inclusion in schools in Europe – Eurydice report – Main findings, Publications Office of the European Union, 2023, https://data.europa.eu/doi/10.2797/593338
Florian, L. (2017). The Heart of Inclusive Education is Collaboration. Pedagogika, 126(2), 248–253. https://doi.org/10.15823/p.2017.32
Haug, P. (2017). Understanding inclusive education: ideals and reality. Scandinavian Journal of Disability Research, 19(3), 206-217. https://doi.org/10.1080/15017419.2016.1224778
Silveira-Maia, M., Neto, C., Sanches-Ferreira, M., Alves, S., Durães, H., Breyer, C., Vandenbussche, E., Boonen, H., Zacharová, Z., Ferková, Š., Schukoff, P., Unterreiner, S., & Teijsen, E. (2025). Mapping CoP for inclusion: a Knowledge Base. Instituto Politécnico do Porto. https://doi.org/10.26537/e.ipp.136
Silveira-Maia, M. & Santos, M.A. (2020). Ética na investigação em educação inclusiva: conversão dos valores da inclusão para a prática investigativa com crianças e jovens com necessidades adicionais de suporte. In I. Nascimento, P. S. Neto (Eds.), Ensaios sobre ética e investigação em Psicologia e em Educação. Mais Leituras.
Slee, R. (2018). Defining the scope of inclusive education: think piece prepared for the 2020 Global education monitoring report, Inclusion and education. Paper commissioned for the 2020 Global. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265773
UNESCO. (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All. UNESCO.
Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, empfehlen wir Ihnen die folgende Publikation:
UNESCO. (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All. UNESCO.
Inklusive Bildung ist Teil der globalen Agenda geworden, verbunden mit der Notwendigkeit, Bildungssysteme auf der ganzen Welt umzugestalten, um allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen und gleichberechtigte Teilhabe zu bieten. Aufgrund des breiten Spektrums an Erkenntnissen zur inklusiven Bildung innerhalb der wissenschaftlichen und professionellen Gemeinschaft gibt es keinen vollständigen Konsens über eine eindeutige Definition. Das Verständnis von inklusiver Bildung variiert in Abhängigkeit von kontextuellen, kulturellen, historischen und methodischen Aspekten (Florian, 2017). Für die Zwecke des Projekts I CO-COPE wurden drei Dimensionen identifiziert, anhand derer das Konzept der inklusiven Bildung definiert werden kann (Silveira-Maia, M. et al., 2025).
Dimension Ethische Grundlagen und Werteorientierung
Inklusive Bildung wird als ein Menschenrecht und moralisches Gebot angesehen, das eng mit Demokratie, Partizipation und Gerechtigkeit verbunden ist (Silveira-Maia & Santos, 2020). Es zielt darauf ab, soziale Gerechtigkeit zu fördern, indem eine gerechte und gleiche Gesellschaft geschaffen wird, die Vielfalt wertschätzt und gleiche Chancen für alle bietet, unabhängig von Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Religion (Bhugra, 2016, S. 336; Haug, 2017).
Dimension rechtliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen
In den Ländern, die das UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (2006) ratifiziert haben, gibt es unterschiedliche nationale Strategien zur Umsetzung der inklusiven Bildung. Allerdings beinhaltet inklusive Bildung im Allgemeinen die Bereitstellung der folgenden Schlüsselprinzipien (Artikel 24 UN-CRPD):
Zugang zu Bildung für alle bedeutet die Schaffung einer gemeinsamen Lernumgebung für alle Schüler:innen in ihrer lokalen Gemeinschaft
Qualitätsvolle Bildung bedeutet diversifizierte Strategien und Unterstützung, um alle Schüler:innen einzubinden.
Diese Grundsätze spiegeln sich in der Definition der European Agency for Special Needs and Inclusive Education's (2015) wider, die besagt, dass "inclusive education systems aim to ensure all learners [...] provided with meaningful, high-quality educational opportunities in their local community, alongside their friends and peers" (Europäische Agentur, 2015, S.1).
Dimension praktische Umsetzung und empirische Befunde
In der Praxis bedeutet inklusive Bildung, dass Barrieren für alle Lernenden identifiziert und abgebaut werden, "so that they have access to, are present and participate in and achieve optimal academic and social outcomes from school" (Slee, 2018, S.2).
Einerseits bedeutet dies, dass inklusive Bildung eine prozessorientierte Perspektive widerspiegelt, die sie als eine nie endende Suche nach besseren Möglichkeiten, auf Vielfalt zu reagieren, betrachtet (Ainscow, 2020). Andererseits spiegelt inklusive Bildung eine schüler:innenorientierte Perspektive wider, die von der Anwesenheit der Lernenden in der Schule über die Platzierung von Schüler:innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf im selben Klassenzimmer, die gleichberechtigte Teilnahme an schulischen Aktivitäten bis hin zum akademischen und sozialen Fortschritt reicht.
Klicken Sie hier, um eine Visualisierung aller drei Dimensionen zu sehen.
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Referenzen
Ainscow, M. (2020). Inclusion and equity in education: Making sense of global challenges. Prospects, 49, 123-134. https://doi.org/10.1007/s11125-020-09506-w
Ainscow, M., Booth, T., & Dyson, A. (2006). Improving schools, developing inclusion. Routledge.
Bhugra, D. (2016). Social discrimination and social justice. International Review of Psychiatry, 28(4), 336–341. https://doi.org/10.1080/09540261.2016.1210359
Education Monitoring Report, Inclusion and education. UNESCO. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265773
European Agency for Special Needs and Inclusive Education. (2015). Agency position on inclusive education systems. EASNIE. https://www.european-agency.org/resources/publications/agency-position-inclusive-education-systems-first-edition
European Commission: European Education and Culture Executive Agency, Promoting diversity and inclusion in schools in Europe – Eurydice report – Main findings, Publications Office of the European Union, 2023, https://data.europa.eu/doi/10.2797/593338
Florian, L. (2017). The Heart of Inclusive Education is Collaboration. Pedagogika, 126(2), 248–253. https://doi.org/10.15823/p.2017.32
Haug, P. (2017). Understanding inclusive education: ideals and reality. Scandinavian Journal of Disability Research, 19(3), 206-217. https://doi.org/10.1080/15017419.2016.1224778
Silveira-Maia, M., Neto, C., Sanches-Ferreira, M., Alves, S., Durães, H., Breyer, C., Vandenbussche, E., Boonen, H., Zacharová, Z., Ferková, Š., Schukoff, P., Unterreiner, S., & Teijsen, E. (2025). Mapping CoP for inclusion: a Knowledge Base. Instituto Politécnico do Porto. https://doi.org/10.26537/e.ipp.136
Silveira-Maia, M. & Santos, M.A. (2020). Ética na investigação em educação inclusiva: conversão dos valores da inclusão para a prática investigativa com crianças e jovens com necessidades adicionais de suporte. In I. Nascimento, P. S. Neto (Eds.), Ensaios sobre ética e investigação em Psicologia e em Educação. Mais Leituras.
Slee, R. (2018). Defining the scope of inclusive education: think piece prepared for the 2020 Global education monitoring report, Inclusion and education. Paper commissioned for the 2020 Global. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000265773
UNESCO. (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All. UNESCO.
Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, empfehlen wir Ihnen die folgende Publikation:
UNESCO. (2005). Guidelines for Inclusion: Ensuring Access to Education for All. UNESCO.
